Die Gründung
...oder
...Wie alles begann

Spätsommer 1994. Die letzten schönen Sonnentage, schon gemischt mit ein bißchen Wehmut. Ich weiß: bald wird es wieder erheblich kälter sein und ich werde nach Feierabend nicht mehr mit dem Fahrrad durch den Bürgerpark düsen.



Aber heute ist es ja noch schön, also das Kostüm auf den Hacken, T-Shirt und Jeans anziehen und dann los. Oh, wieder dieses Telefon! Ich melde mich knapp, damit dem Teilnehmer sofort klar wird:"Ich fasse mich kurz, die hat nicht viel Zeit".

"Hallo, hier ist Ingeborg Nölle. Ich komme gerade von der Station 14 in der Prof.-Hess-Kinderklinik. Versorgung und Personal super, aber die Umgebung ist für Kinder nicht geeignet. Da müssen wir etwas unternehmen. Ich werde dort helfen; machen Sie mit?" Ich reagiere erstmal verdutzt und frage vorsichtig, was denn getan werden muß. Da wieß Frau Nölle natürlich knapp und plastisch zu schildern und ich sage meine Unterstützung zu. "Rufen Sie gerne wieder an, wenn es konkreter wird": antworte ich und denke, daß das ja noch jede Menge Zeit hat. "Danke, ich melde mich demnächst bei Ihnen": klingt es fröhlich durch den Hörer und das Gespräch wird beendet. Ich hole das Fahrrad aus dem Keller.

Wenige Tage später liegt eine Einladung in der Post. Dr. jur. Otto C. Carlsson bittet zur Gründungsversammlung eines Freundeskreises am 12. September 1995 um 18.00 Uhr in der Prof.-Hess-Kinderklinik. Der Einladung beigefügt ist bereits eine Satzung mit dem Ziel, chronisch erkrankte Kinder den Klinikaufenthalt zu erleichtern und so einen Beitrag zur Linderung oder Überwindung der Krankheit zu leisten. Viel kann ich mir darunter nicht vorstellen, doch ich gehe hin.

Frau Nölle begrüßt die Damen und Herren, die sich im Besprechungszimmer mit dem typischen Charme eines Klinikambientes zusammengefunden haben. Unter der Leitung von Dr. Carlsson gründet sich der Freundeskreis. Alles geht flott und professionell. Ich hänge meinen Gedanken nach. "Prima, hier wird nicht nur endlos geredet und sich wichtig gemacht. Wie Angenehm!" Dann fragt eine Dame mir gegenüber: "Was müssen wir denn tun"? Ich schrecke hoch und bin wieder ganz konzentriert. Frau Nölle steht auf und bittet die Runde auf die Kinderstation. "Da sehen sie am besten, was alles gemacht werden muß. Vielleicht können Sie wir eine Liste erstellen, Kostenvoranschläge einholen und überlegen, wie wir was am besten bewältigen können".

Wir gehen von Zimmer zu Zimmer, sehen die kleinen Patienten in ihren viel zu großen Betten, schauen uns die wenig ansprechenden Räume für Untersuchungen, Schwesternaufenthalt und Dienstzimmer an. Der ärztliche Leiter Prof. Dr. Gunschera mit Team erklärt. Die Liste wird lang und länger und alle wissen sofort, welche Aufgaben zu erledigen sind. Dann geht alles ganz von selbst. Vorstand wählen, Verein eintragen lassen, Spendenkonto eröffnen, Briefpapier herstellen, Ärmel aufkrämpeln. Bei den ersten Kostenkalkulationen bekomme ich dann doch Bedenken: "Das dauert ja Jahre, bis die Summen zusammen sind".

Doch da habe ich mich getäuscht. Frau Nölle spricht viele Menschen an und die Bremerinnen und Bremer spenden großzügig. Es gibt eine Fülle von unterschiedlichen Aufgaben zu bewältigen, doch die Arbeit ist konkret und macht Spaß. Eine Arbeit, die eigentlich keine ist, weil sie einfach Freude bringt. Für die Kinder, für die Eltern, für Ärzte und Schwestern und damit auch für die ehrenamtlichen Kräfte im Freundeskreis und darüber hinaus. Denn es machen Menschen mit, die von den Mitgliedern des Freundeskreises angesprochen und bei bestimmten Problemstellungen um Rat und Tat gebeten werden. Soviel Bereitschaft zum Anpacken und zur Veränderung zum Wohle der Situation der Kinder ist eine wirkliche Bereicherung für mich.

Brigitte Dreyer